Dienstag, 13. September 2011

Mucha Gehedder in Muja Hedder

Mich und Bigwall-Master Reto zog es für ein paar Tage ins Urnerland um dem Techno-Klettern zu frönen. Als geeignetes Objekt der Begierde wählten wir die Route Muja Hedder im Voralptal aus, 7 Seillängen bis A2+ schienen uns gerade richtig (ein Topo findet man hier: http://alpen.sac-cas.ch/de/archiv/2001/200103/ad_2001_03_20.pdf) um unsere Kenntnisse der entsprechenden Technik ein wenig zu verfeinern.

Die Route vereinzelt mit Bohrhaken ausgerüstet, was je nach dem eine gute Medizin gegen das Nervenflattern beim Testen von zweifelhaft erscheinenden Pecker-Placements ist. In der ersten Seillänge muss man gleich alle Register ziehen, um einen solchen zu erreichen. Sowohl Messerhaken als Peckers werden reichlich geschlagen, nach dem Bohrhaken ist es dann aber nicht mehr weit zum Stand. Reto leistet ganze Arbeit und erreichte nach knapp einer Stunde den ersten Stand. Da wir erst am späten Nachmittag mit Klettern begonnen haben, begnügen wir uns damit und biwakieren wieder unter der Wand. Am zweiten Tag bin ich mit der 2. Länge dran, nachdem wir die erste Länge raufgejümart sind und den Haulbag nachgezogen haben. Ein kurzer Pendelquergang an einem Bohrhaken führt zu einem fixen Copperhead in einem feinen Riss. Ein paar Haken, ein paar Peckers und zwei Bolts später hab ich Stand. Dem Einrichten des Standes schenke ich zuwenig Aufmerksamkeit und spätestens nach dem Jümar- und  vor allem nach dem Haulprozedere entsteht wieder einmal ein Mucha Gehedder der vielen Seile  und des vielen Materials. Murphy's Law lässt sich leicht abgegeändert auch auf das Bigwall-Klettern übertragen: Alles was sich irgendwie verheddern kann, verheddert sich auch. Nach dem Entwirren geht Reto die dritte Länge an. Gleich zu Beginn dieser Seillänge muss man schon delikate Placements setzen und dann folgt eine nicht ganz senkrechte Knallerplatte, die es an Rivets (Bohrhakendübel) und 6mm-Bohrhakenlöchern zu überwinden gilt. Am Anfang der Platte steckt wiederum ein fixer Copperhead, dann setzt Reto zwei Haken, die sich mehr schlecht als recht in den Riss schlagen lassen, weil er zu wenig tief ist. Mit einer Schlinge zwecks Lastausgleich verbunden, halten die Haken aber im Minimum das Körpergewicht. Vorsichtig lasse ich Reto daran wieder zum Stand runter, um das weitere Vorgehen zu besprechen, wie wir diese anspruchsvolle Platte klettern wollen. Ich versuche anschliessend mein Glück - mit einer Rolle Tape im Gepäck. Zuerst steige ich die Placements von Reto bis zu den Haken hoch. Dort mache ich eine Zwischensicherung mit einem Shock-Absorber, da ich keine blasse Ahnung habe, wieviel diese Haken im Sturzfall halten würden und nachher über die Platte wohl nur Placements folgen, an denen man normalerweise nicht einmal eine Wurst aufhängen würde. Doch alles nur halb so schlimm, die Rivets lassen sich mit Klemmkeilen vernünftig abklemmen. Da ich noch nicht allzu grosses Vertrauen in eine solches Placement besitze, kommt jeweils noch eine dicke Schicht Tape über die Bohrhaken-Dübel, das wirkt dann jeweils schon nur deshalb nervenschonend für mich, da ich nicht mehr sehen muss, an was ich mich da rübertechen muss. Das grosse Vergnügen kommt nach den ersten beiden Rivets: zwei 6mm-Löcher jeweils knapp einen Meter weit entfernt. Für etwas haben wir ja schliesslich Cliffs dabei (ohne zwei Talon-Cliffs ist es unmöglich diese Stelle zu überwinden, so wie es im Topo erwähnt ist). Der Cliff rutscht aber schon beim Setzen immer wieder weg, da das Loch irgendwie verstopft zu sein scheint. Nach dem guten alten Motto "bevor man stürzt, hat man es nicht probiert" stehe ich dann nach geraumer Zeit des Misstrauens (sowohl gegenüber der Kombination Cliff-Fels als auch gegenüber der Kombination Cliff-Mensch) dann doch noch mit vollem Gewicht in der ersten Trittschlinge im Cliff und ohne es zu erwarten hält sich der Talon-Cliff tatsächlich im Loch, uuff! Jetzt nur keine falsche Bewegung. Nach dem auch die zweite Trittschlinge und schliesslich der Fifi-Hook im Cliff plaziert ist, erreiche ich ausgestreckt das nächste Loch mit dem zweiten Cliff. Dieses Loch scheint besser zu sein und bald darauf hänge ich im nächsten Rivet. Erstmaliges Durchatmen, so ein Rivet fühlt sich im Vergleich zu einem Cliff schon als geradezu feudales Placement an. Langsam gewinne ich das Vertrauen und das Tape bleibt am Gurt. Nun noch einmal cliffen, dann folgen nur noch ein Rivet und ein verbogener Schlaghaken, der abgebunden werden kann. Es dauert eine Weile bis ich das sechs Milimeter grosse Bohrloch gefunden habe, doch dann gehts weiter, es beginnt schon fast Spass zu machen :). Nach der Platte folgt noch ein 10 Meter langer Riss, der wieder Plaisir-Gelände darstellt, da wieder Bomber-Placements gelegt werden können. Reto hat dann das grosse Vergnügen ;) den Rivet- und Cliffquergang nachzujümaren, was sich auch als sehr mühsam entpuppt. Der zweite Tag neigt sich nach dem Haulen bereits langsam dem Ende zu und wir entschliessen uns wiederum abzuseilen und es uns am Wandfuss gemütlich zu machen. Zwei Seillängen in einem Tag :). Am dritten Tag machen wir noch die vierte Seillänge. Diese besteht wiederum v.a. aus Keil- und Friendplacements, gefolgt von einem Quergang, bis vor dem Stand noch einmal tüchtig gehämmert werden darf. Während ich noch am nachjümaren bin, hat Reto den Sack schon oben und das Portaledge aufgespannt. Viva el progreso, langsam werden wir schneller und die Stände immer aufgeräumter (Reto sei dank!). Wir geniessen die Aussicht und die Ausgesetztheit, sind beide aber schon ein wenig müde von der vielen Arbeit und entscheiden uns dann für das Abseilen und einen Besuch der Pouletburg in Attinghausen (dies auch v.a. dank Reto :)).
Muja Hedder ist eine gute Tour um die Techno-Kletter-Skills zu verbessern ohne dass man sich gerade an eine hohe Wand begeben muss, sie sei allen empfohlen, die über ein wenig Übung, Kenntnisse der Bigwall-Technik und das geeignete Material verfügen, sich aber noch nicht an eine grosse Wand wagen. Wie wir einmal mehr festgestellt haben, bedarf es einiger Routine und Ordung, dass man beim Bigwallen ein anständiges Tempo hinkriegt, welches für grössere Projekte absolut matchentscheidend ist.
Mit einem feissen Güggeli in der Pouletburg (wer das geheime Rezept der Sauce kennt, in welcher das Güggeli im Holzkörbli schwimmt, der melde sich per Mail, angemessene Belohnung ist versprochen) kann die Zeit der Verklärung der Schwierigkeiten nun anbrechen! VIVA JIM BRIDWELL!








Mittwoch, 31. August 2011

Medji!

pe  Trotz des tiefen Dollars entschieden wir uns gegen Californien für St. Niklaus, wo es rund eine Stunde vom Bahnhof entfernt auch wunderschöne Risse und Verschneidungen zu Piazen und Jamen gibt.


Piazen bis man sauer wird
(2.SL von Medji Original)


Rostfreier Stahl sorgt in den meisten Seillängen für nervenschonendes Klettern. Nur auf wenigen Metern sollte man die mittelgrossen Freunde auf der richtigen Seite seines Gstältlis wissen, wie z.B. im kurzen und fies abgerundeten Riss der 1.SL von Hand Tschämm:




Der Medji-Gneis braucht sich nicht vor seinem härteren Rivalen Granit zu verstecken – er ist super solid und griffig und hinterlässt schöne Kampfspuren an den Fäusten. Trotz des angegebenen 70m-Einfachseils entschieden wir uns für den Doppelstrang, um sicher wieder auf den Boden zu gelangen, was sich gut bewährte.


Die wunderschöne 2.SL der
Undendlichen Geschichte


Fissuren vom Feinsten in der 1.SL
von Rose ohne Dornen


Jam-Session in der 1.SL von AC/DC




HopHop!!

Sonntag, 28. August 2011

Obergabelhorn-Südwand



Eine der wenigen Hochtouren dieses Sommers führt Röbi und mich zur Obergabelhorn-Südwand. Schon der Aufstieg mit ständiger Aussicht zur imposanten Matterhorn-Nordwand ist eine schöne Sache. Das Arbenbiwak ist für ein Biwak sehr gut mit mehreren grossen Gaskochern und Töpfen ausgestattet. Sogar eine Flasche Wein lässt sich in den Kellergewölben des Biwaks finden und so gibts zu unserem standesgemässen Fondue sogar nach ein Glas gegorenen Traubensaft.





Es lohnt sich bei dieser Tour nicht allzu früh zu starten, da man bereits nach einer knappen Stunde am Einstieg ist und es spätestens dann schon einigermassen hell sein sollte, damit man die Route findet. Um ca. 5 Uhr gehen wir bei der Hütte los, um 6 steigen wir in die Route ein und um ca. 11 Uhr sind wir dann oben auf dem Gipfel. Im unteren Teil folgt man mehr oder weniger einer Rippe, bis man über einen Pfeiler auf das Kohlenband gelangt. Genaue Routenbeschreibungen erübrigen sich meiner Meinung nach, da es sicher viele Möglichkeiten gibt, um zu diesem Pfeiler zu gelangen. Man kann fast alles am gestreckten Seil gehen, es ist nirgends sehr schwer aber trotzdem immer anhaltend im dritten bis vierten Schwierigkeitsgrad. Die schweren Stellen sind meistens Risse oder Platten. Abzusichern ist alles selber, nur an einer Stelle stossen wir auf ein paar Schlaghaken. Vom Kohlenband folgen wir alles der Schuttrinne, welche ihrem Namen auch alle Ehre macht und kommen so wenige Meter neben dem Gipfel auf den Grat. Der Abstieg nach Zermatt über die Normalroute weist keine nennenswerten Schwierigkeiten auf, zieht sich dann aber doch noch ganz schön in die Länge.
































Sonntag, 21. August 2011

Piccola Spada - Titlis Nordwand

Der Einstieg

'expo'-Stelle der ersten Seillänge 7a+, die  Schlüsselstelle folgt allerdings erst weiter oben

Chickenheads in der 4. Sl 6c+


5 Sl., in der vermehrt selbst für die Absicherung gesorgt werden muss

zwischendurch hats brüchige Bänder

DIE NASE

loser Block + Cliff = Bomben-Stand à la Fäbu :)

Tiefblick garantiert, Fäbu gefällts

Posen ganz oben, oben ohne

DIE NASE von oben

 
An einem solch heissen Sonntag ist man froh, wenn man ein wenig im Schatten klettern kann, also nichts wie los an die Titlis Nordwand. In ca. 1,5h erreicht man den Einstieg. Zuerst folgt man dem Bergweg, der gleich nach dem Klettergarten Schlängge links hinauf zieht bis zu einer Alp danach  über Weiden und Geröllfelder zur Wand hoch. Die erste Seillänge ist meines Erachtens die schwierigste der elf Seillängen, da die Schlüsselstelle ziemlich obligatorisch zu klettern ist. Alles kein Problem, da die Stelle sehr sturzfreundlich ist :), wie ich nach einem 10m-Abflug festgestellt habe. Seillänge 2 und 3 kann man gut zusammenhängen, da beide einfach sind. In der vierten Seillänge geht es wieder zur Sache, mehr als 50m lange, anhaltende Kletterei an genialen Riesen-Chickenheads führen auf den Kopf eines kleinen Pfeilers. Die fünfte Seillänge startet mit steiler Wandkletterei und geht dann über in einen Riss, der selber abzusichern ist. Dank Fäbus intensivem Granittraining diesen Sommer, meisterte er diese Länge problemlos... Die zweite 7a+ der Tour ist eher plattiger Natur aber die Hakenabstände sind etwas moderater als in der ersten Seillänge. In der zweitletzten Seillänge erwartet einen dann noch ein wackliger, unangenehmer Aufsteher weit über dem Haken, ein kleiner Klemmkeil auf Fusshöhe gelegt, kann die Moral ein wenig beflügeln auch wenn er nicht vernünftig zu platzieren ist :). Gegen oben hin wird der Fels im Allgemeinen immer schärfer und die letzte Seillänge ist brutal scharf, Fäbu konnte vom Vorsteiger-und-Runout-Adrenalin profitieren, das den Schmerz ein wenig übertünchte, während ich im Nachstieg ziemlich am Leiden war. Diese Länge fand ich nochmals arg schwierig, hat man bis da doch schon einige schwere Längen geklettert. Wir beeilten uns mit Abseilen, damit wir zu einer vernünftigen Zeit wieder nach Engelberg zurückkommen würden, doch leider blockierte das Seil beim Abziehen. Eine 60m-Prusikaktion und zwei Abseillängen später waren wieder beim Einstieg. Merci Fäbu fürs Raufprusiken!!